Neues vom Initiativkreis Bistumsreform

Erwartungen an den kommenden Bischof von Augsburg 15. Juli 2019

Mit dem Rücktritt von Bischof Konrad Zdarsa und der Wahl eines Diözesanadministrators ist das Verfahren zur Berufung eines neuen Bischofs für das Bistum Augsburg eröffnet. Der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg hat seine Erwartungen an den kommenden Bischof von Augsburg formuliert:

„Wir sind Kirche – Unser Weg ist Dialog“, unter diesem Motto versammelten sich im April 2012 viele Gläubige auf dem Domplatz, um sich für die Beibehaltung der Pfarrgemeinderäte einzusetzen. Heute fordern wir als Initiativkreis Bistumsreform Augsburg erneut einen breiten Dialog zur Neubesetzung des Bischofsamts in der Diözese Augsburg unter Einbeziehung der Laiengremien.

Wir wünschen uns einen Bischof, der den Dialog nicht nur innerkirchlich, sondern auch in die moderne Gesellschaft und ihre verschiedenen Milieus hinein führt.
Wir erwarten uns vom künftigen Bischof respektvolle Begegnung mit den Verantwortlichen in allen Bereichen und auf allen Ebenen und die selbstverständliche Anerkennung ihrer (Mit-)Verantwortung.
Wir hoffen auf einen Bischof, der in Offenheit die theologischen Fragen aufgreift und eine Sprache findet, die den heutigen Menschen verständlich ist.
Wir brauchen einen Bischof, der neue Formen der Seelsorge und der Ausgestaltung des Lebens einer Pfarrei zulässt, ohne die Ängstlichkeit klerikaler Rückversicherung und jenseits der unpersönlichen Großstrukturen.
Wir hoffen auf einen Bischof mit Mut zu ökumenischen Schritten vorwärts, insbesondere hin zu einer verbindenden gemeinsamen Abendmahlsfeier.
Demütig und gerecht, ein Diener, kein Fürst, so beschrieb Papst Franziskus, was einen wahren Bischof ausmacht. Er müsse das Gute lieben, gastfreundlich sein, besonnen, gerecht, fromm und beherrscht (Predigt im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Frühmesse vom 12.11.18: Der wahre Bischof ist ein Diener. Zit. nach Silvia Kritzenberger und Benedetta Capelli – Vatikanstadt).

Der Initiativkreis hat diese Erwartungen auch an den Vorsitzenden der Bayerischen Bischofskonferenz, Kardinal Dr. Reinhard Marx, den Diözesanadministrator, Dr. Bertram Meier, und die Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz übermittelt und sie gebeten, im Rahmen Ihrer Mitverantwortung in dem Ernennungsverfahren diesen Erwartungen Rechnung zu tragen.

Die schwierige Suche nach neuen Wegen des örtlichen Gemeindelebens 30. September 2018

Die Überlegungen des Initiativkreises Bistumsreform zur „kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften“ sind bei der Bistumsleitung und beim Diözesanrat auf weitgehendes Desinteresse gestoßen, ohne dass erkennbar wäre, auf welche Weise denn alternativ dem personellen Ausbluten der Ortskirchen begegnet werden könnte. Letztlich haben auch die Versuche des Sachausschusses Ländlicher Raum des Diözesanrats, über das „Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ zu einer Wiederbelebung oder Verstetigung der Zusammenarbeit auf der örtlichen Ebene zu gelangen, zu keinen erkennbaren Weiterentwicklungen geführt.
In einigen deutschen Diözesen wächst die Einsicht, dass die Fixierung der pastoralen Entwicklung auf die (quantitative) Verfügbarkeit von Priestern in die pastorale Sackgasse führt.
In der Erzdiözese München-Freising sollen im Auftrag von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx neue Modelle zur Leitung von Pfarreien erprobt werden. Dazu soll in drei Pilotprojekten die Leitung eines Pfarrverbands auf ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Laien übertragen werden. Nähere Informationen finden sich auf dieser Homepage oder über „katholisch.de“.
Etwas bescheidener, aber näher am Modell des „Kümmerers“ des Initiativkreises Bistumsreform Augsburg liegt die modellhafte Einführung von „Ehrenamtskoordinatoren“ in der Erzdiözese Freiburg in zunächst acht Projektstandorten. „Freiwilliges Engagement ist ein unschätzbarer Reichtum kirchlichen Lebens. Ehrenamtlich Engagierte in Seelsorgeeinheiten, kirchlichen Einrichtungen und Verbänden (sollen) gute Rahmenbedingungen vorfinden und verlässlich auf Ansprechpersonen treffen.“ Nähere Informationen zu diesem Ansatz auf den Internetseiten der Erzdiözese Freiburg.

Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften 30. November 2017

Als Initiativkreis Bistumsreform befassen wir uns immer wieder mit der Frage, wie sich die Pastorale Raumplanung 2025 in der Praxis der Pfarrgemeinden vor Ort auswirkt. In diesem Zusammenhang beobachten wir, dass insbesondere in den Einzelpfarreien von größeren Pfarreiengemeinschaften (PG) eine personelle Ausdünnung stattfindet mit der fatalen Folge, dass die Kirche außerhalb der gottesdienstlichen Feiern geradezu ihr Gesicht zu verlieren droht. Die Richtlinien der Diözese für die Pfarrbüros verstärken diesen Trend durch die beabsichtigte Zentralisierung auf die Hauptsitze der PG.
Die intensive Befassung mit dieser Situation haben wir in den „Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften“ zusammengefasst. Dabei wurden wir auch durch die Verlautbarung der deutschen Bischöfe Nr. 100 – Gemeinsam Kirche sein – vom 1. August 2015 sowie durch die Ergebnisse des Projekts Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ (LARS Consult Mai 2014) inspiriert. Wir schlagen wir vor, dass es den Einzelpfarreien ermöglicht wird, eine hauptberufliche Kraft als „Kümmerer“ zu beschäftigen, der (oder die) vor Ort als Ansprechpartner, als Unterstützer von Initiativen, als Mithelfer für die Ehrenamtlichen des Pfarrgemeinderats tätig ist.
Unsere Überlegungen beziehen sich ausdrücklich nicht auf das pastorale Personal (Priester und pastorale Mitarbeitende), sondern auf das nicht-pastorale Personal. Im Kern geht es darum, die Beschäftigung von zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern außerhalb der pastoralen Berufsfelder zu ermöglichen.
Wir haben diese Überlegungen auch Generalvikar Heinrich vorgetragen. Er teilte mit, dass er unser Grundanliegen nachvollziehen könne, unsere Vorschläge „in dieser Form“ aber nicht für umsetzbar halte, und verwies uns an den Diözesanrat. Dort wiederum erfolgte nach unserer Kenntnis bisher keine Befassung in der Sache.
Wir halten an unseren Überlegungen fest, da wir bisher auch kein alternatives Konzept für die Aufrechterhaltung der kirchlichen Präsenz in den Einzelpfarreien von PG vorfinden können. Fehlendes hauptberufliches Personal kann nicht beliebig durch ehrenamtliche Kräfte ersetzt werden. Hier sind nach unserer Beobachtung die Grenzen schon erreicht und vielerorts auch schon überschritten.
Mit der Veröffentlichung unserer Überlegungen möchten wir eine notwendige Diskussion anstoßen über die Frage, wie Kirche vor Ort ein Ort der Beheimatung für die Menschen bleiben oder wieder werden kann. Wir laden zur Diskussion ein, Ihre Meinung können Sie jederzeit und direkt über die Mailingliste mitteilen.

Zum Text der „Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften

Wie sich der christliche Glaube erneuern kann 8. November 2017

Die Redaktion der Zeitschrift "Christ in der Gegenwart" (Nr. 44/2017) hat unter Bezug auf das Reformationsjahr in einem bemerkenswerten Beitrag unter der Überschrift "Wie sich der christliche Glaube erneuern kann" neun Thesen formuliert, in denen "Vorschläge für das christliche Glaubensleben" vorgestellt werden, "damit die christliche Botschaft die Menschen in einem modernen Lebenshorizont erreicht".
Sie finden diese Thesen über diesen Link.

„Kleines Jubiläum“ – 5 Jahre Kundgebung „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ am 21. April 2012 Juni 2017

Vor gut fünf Jahren fand die eindrucksvolle Kundgebung unter dem Motto „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ statt, zu der der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg aufgerufen hatte.

Über 2500 Teilnehmer aus allen Regionen der Diözese versammelten sich auf dem Augsburger Domplatz, und es waren gerade die engagierten und treuen Mitglieder aus den Pfarrgemeinden, die die Ortskirchen als lebendige Glaubensgemeinschaften auch in den kirchlichen Strukturen verankert und bewahrt wissen wollten. Auslöser zur eindrucksvollen Kundgebung „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ waren die Eckpunkte der Bistumsleitung zur „Pastoralen Raumplanung 2025“, die praktisch ohne Diskussion mit den verantwortlichen Laien vor Ort betrieben wurde und die Zentralisierung der gesamten pastoralen Arbeit in größeren Pfarrverbänden, damit verbunden die Abschaffung der örtlichen Pfarrgemeinderäte zum Inhalt hatte. Die Kundgebung verstand sich als ein Ort des Appells an die Verantwortlichen im Bistum, den immer wieder zugesagten Dialog endlich offen und breit angelegt zu führen und nicht ängstlich hinter selbst errichteten Mauern zu verharren. Der auf Veranlassung des Generalvikars zugesperrte Dom dürfe nicht zum Symbol dieses Dialogs werden. Eine ausführliche Dokumentation dieser Kundgebung findet sich unter der entsprechenden Rubrik.

Im bilanzierenden Rückblick kann festgehalten werden, dass diese Kundgebung zusammen mit anderen Initiativen, insbesondere der Aktion „Kirche umarmen“ und dank des persönlichen Einsatzes einzelner Mitglieder des damaligen Diözesanrats die Bistumsleitung bewegt hat, von der Auflösung der örtlichen Pfarrgemeinderäte Abstand zu nehmen und den Zentralisierungsdruck etwas zu mildern (aufgegeben hat sie diese Absicht nie). So konnten dann im Frühjahr 2014 auf der Grundlage einer überarbeiteten Satzung wieder Wahlen für die örtlichen Pfarrgemeinderäte staatfinden.

Was die Forderung nach einem respektvollen und offenen Dialog der Bistumsleitung mit der „Basis“, den örtlichen Pfarrgemeinderäten und ihren engagierten Mitgliedern anbelangt, hat sich leider wenig verändert. Nach wie vor werden auf der Ebene der Bistumsleitung Entscheidungen bis tief in das Leben der Pfarreien hinein „in dünner Luft“ getroffen und ohne weitere Diskussion per Amtsblatt nach unten durchverfügt. Kritische Positionen oder neue kreative Ideen werden nach wie vor nicht gewollt. Angesichts dieser Erfahrungen haben viele resigniert oder pflegen liebevoll ihre kleinen Nischen in den Ortskirchen. Der Initiativkreis Bistumsreform bleibt weiterhin am Ball, und sei es nur damit, dass er hin und wieder zum Blick über den Zaun ermuntert um zu sehen, dass es – und wie es – in anderen Teilen der Kirche auch anders gemacht werden kann.