Neues vom Initiativkreis Bistumsreform

Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften 30. November 2017

Als Initiativkreis Bistumsreform befassen wir uns immer wieder mit der Frage, wie sich die Pastorale Raumplanung 2025 in der Praxis der Pfarrgemeinden vor Ort auswirkt. In diesem Zusammenhang beobachten wir, dass insbesondere in den Einzelpfarreien von größeren Pfarreiengemeinschaften (PG) eine personelle Ausdünnung stattfindet mit der fatalen Folge, dass die Kirche außerhalb der gottesdienstlichen Feiern geradezu ihr Gesicht zu verlieren droht. Die Richtlinien der Diözese für die Pfarrbüros verstärken diesen Trend durch die beabsichtigte Zentralisierung auf die Hauptsitze der PG.
Die intensive Befassung mit dieser Situation haben wir in den „Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften“ zusammengefasst. Dabei wurden wir auch durch die Verlautbarung der deutschen Bischöfe Nr. 100 – Gemeinsam Kirche sein – vom 1. August 2015 sowie durch die Ergebnisse des Projekts Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ (LARS Consult Mai 2014) inspiriert. Wir schlagen wir vor, dass es den Einzelpfarreien ermöglicht wird, eine hauptberufliche Kraft als „Kümmerer“ zu beschäftigen, der (oder die) vor Ort als Ansprechpartner, als Unterstützer von Initiativen, als Mithelfer für die Ehrenamtlichen des Pfarrgemeinderats tätig ist.
Unsere Überlegungen beziehen sich ausdrücklich nicht auf das pastorale Personal (Priester und pastorale Mitarbeitende), sondern auf das nicht-pastorale Personal. Im Kern geht es darum, die Beschäftigung von zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern außerhalb der pastoralen Berufsfelder zu ermöglichen.
Wir haben diese Überlegungen auch Generalvikar Heinrich vorgetragen. Er teilte mit, dass er unser Grundanliegen nachvollziehen könne, unsere Vorschläge „in dieser Form“ aber nicht für umsetzbar halte, und verwies uns an den Diözesanrat. Dort wiederum erfolgte nach unserer Kenntnis bisher keine Befassung in der Sache.
Wir halten an unseren Überlegungen fest, da wir bisher auch kein alternatives Konzept für die Aufrechterhaltung der kirchlichen Präsenz in den Einzelpfarreien von PG vorfinden können. Fehlendes hauptberufliches Personal kann nicht beliebig durch ehrenamtliche Kräfte ersetzt werden. Hier sind nach unserer Beobachtung die Grenzen schon erreicht und vielerorts auch schon überschritten.
Mit der Veröffentlichung unserer Überlegungen möchten wir eine notwendige Diskussion anstoßen über die Frage, wie Kirche vor Ort ein Ort der Beheimatung für die Menschen bleiben oder wieder werden kann. Wir laden zur Diskussion ein, Ihre Meinung können Sie jederzeit und direkt über die Mailingliste mitteilen.

Zum Text der „Überlegungen zur kirchlichen Präsenz in den Ortspfarreien der Pfarreiengemeinschaften

Wie sich der christliche Glaube erneuern kann 8. November 2017

Die Redaktion der Zeitschrift "Christ in der Gegenwart" (Nr. 44/2017) hat unter Bezug auf das Reformationsjahr in einem bemerkenswerten Beitrag unter der Überschrift "Wie sich der christliche Glaube erneuern kann" neun Thesen formuliert, in denen "Vorschläge für das christliche Glaubensleben" vorgestellt werden, "damit die christliche Botschaft die Menschen in einem modernen Lebenshorizont erreicht".
Sie finden diese Thesen über diesen Link.

„Kleines Jubiläum“ – 5 Jahre Kundgebung „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ am 21. April 2012 Juni 2017

Vor gut fünf Jahren fand die eindrucksvolle Kundgebung unter dem Motto „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ statt, zu der der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg aufgerufen hatte.

Über 2500 Teilnehmer aus allen Regionen der Diözese versammelten sich auf dem Augsburger Domplatz, und es waren gerade die engagierten und treuen Mitglieder aus den Pfarrgemeinden, die die Ortskirchen als lebendige Glaubensgemeinschaften auch in den kirchlichen Strukturen verankert und bewahrt wissen wollten. Auslöser zur eindrucksvollen Kundgebung „Wir sind Kirche – unser Weg ist Dialog“ waren die Eckpunkte der Bistumsleitung zur „Pastoralen Raumplanung 2025“, die praktisch ohne Diskussion mit den verantwortlichen Laien vor Ort betrieben wurde und die Zentralisierung der gesamten pastoralen Arbeit in größeren Pfarrverbänden, damit verbunden die Abschaffung der örtlichen Pfarrgemeinderäte zum Inhalt hatte. Die Kundgebung verstand sich als ein Ort des Appells an die Verantwortlichen im Bistum, den immer wieder zugesagten Dialog endlich offen und breit angelegt zu führen und nicht ängstlich hinter selbst errichteten Mauern zu verharren. Der auf Veranlassung des Generalvikars zugesperrte Dom dürfe nicht zum Symbol dieses Dialogs werden. Eine ausführliche Dokumentation dieser Kundgebung findet sich unter der entsprechenden Rubrik.

Im bilanzierenden Rückblick kann festgehalten werden, dass diese Kundgebung zusammen mit anderen Initiativen, insbesondere der Aktion „Kirche umarmen“ und dank des persönlichen Einsatzes einzelner Mitglieder des damaligen Diözesanrats die Bistumsleitung bewegt hat, von der Auflösung der örtlichen Pfarrgemeinderäte Abstand zu nehmen und den Zentralisierungsdruck etwas zu mildern (aufgegeben hat sie diese Absicht nie). So konnten dann im Frühjahr 2014 auf der Grundlage einer überarbeiteten Satzung wieder Wahlen für die örtlichen Pfarrgemeinderäte staatfinden.

Was die Forderung nach einem respektvollen und offenen Dialog der Bistumsleitung mit der „Basis“, den örtlichen Pfarrgemeinderäten und ihren engagierten Mitgliedern anbelangt, hat sich leider wenig verändert. Nach wie vor werden auf der Ebene der Bistumsleitung Entscheidungen bis tief in das Leben der Pfarreien hinein „in dünner Luft“ getroffen und ohne weitere Diskussion per Amtsblatt nach unten durchverfügt. Kritische Positionen oder neue kreative Ideen werden nach wie vor nicht gewollt. Angesichts dieser Erfahrungen haben viele resigniert oder pflegen liebevoll ihre kleinen Nischen in den Ortskirchen. Der Initiativkreis Bistumsreform bleibt weiterhin am Ball, und sei es nur damit, dass er hin und wieder zum Blick über den Zaun ermuntert um zu sehen, dass es – und wie es – in anderen Teilen der Kirche auch anders gemacht werden kann.

Trauer um Walter Kaminski März 2016

Nach schwerer Krankheit starb am 15. März 2016 Walter Kaminski im Alter von 63 Jahren. Der Initiativkreis Bistumsreform hat mit seinem Tod einen fast unersetzbaren Freund und Mitstreiter verloren, der uns alle bereichert hat.
Walter Kaminski zählte in seiner Heimatgemeinde Gundelfingen und in seinem Landkreis zu den ungewöhnlichen Persönlichkeiten, die ihr Gemeinwesen durch ihren Sachverstand wie durch ihre Liebenswürdigkeit, durch ihre Beharrlichkeit wie durch ihre Umsicht buchstäblich befördert hat. Mitglieder der Mailingliste Bistumsreform haben in den vergangenen Jahren insbesondere auch von seinen umsichtigen Nachrichtenrecherchen profitiert, die er uns über diese Liste zur Verfügung gestellt hat.
Wir sind in Gedanken und im Gebet bei ihm und hoffen, dass er seinen Frieden gefunden hat.

Erwartungen an den neuen Diözesanrat zu Neukonstituierung am 13.12.2014 10.12.2014

Aus der Diskussion mit engagierten und kritischen Pfarrgemeinderätinnen und –räten und aus den Ergebnissen eigener Veranstaltungen hat der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg seine Erwartungen an die künftige Arbeit des Diözesanrats in sieben zentralen Punkten zusammenfasst und an den Diözesanrat übermittelt.
Der Diözesanrat als oberstes formelles Vertretungsorgan der Laien in der Diözese muss sich als ihr Sprachrohr gegenüber der Bistumsleitung und in der Öffentlichkeit verstehen und dabei die Sichtweisen, wie sie sich in den Pfarreien und in den verbandlichen Gruppierungen darstellen, deutlich und unverkürzt zur Geltung bringen. Der Initiativkreis Bistumsreform erwartet vom neuen Diözesanrat, diese zentrale Aufgabe entschlossener, mutiger und in der Öffentlichkeit wahrnehmbarer umzusetzen.
Papst Franziskus hat zu Beginn seiner Amtszeit ähnlich wie Papst Johannes XXIII. die Fenster der Kirche zur Welt hin aufgestoßen, er hat die umfassende Liebe Gottes vor die ängstliche Sorge um die Disziplin gestellt. Er sagt nicht „Weiter so!“, sondern er fordert die ganze Kirche auf, über die verkrusteten Strukturen hinaus „an die Grenzen“ zu gehen. Er versteht sein Amt als Garant für das offene Wort. Der Initiativkreis erwartet, dass der Diözesanrat zu diesen Themen in den diskursiven, gegebenenfalls auch kontroversen Austausch mit der Bistumsleitung tritt. Denn von einem offenen und freimütigen Dialog über wichtige Fragen ist in der Diözese Augsburg noch nichts zu erkennen.
Die Sprachlosigkeit des Diözesanrats, wie sie sich zum Beispiel im Vorfeld der Bischofssynode zu Ehe und Familie gezeigt hat, darf sich nicht wiederholen. Er muss sich, unabhängig von der Positionierung der Bistumsleitung, grundsätzlich mit der Frage auseinandersetzen, wie er die Sichtweisen der kirchlich engagierten Laien in den gesellschaftlichen Diskussionsprozess einbringen kann.
Die neuen Satzungen für die Pfarrgemeinderäte und die Pastoralräte sind unter zum Teil schwierigsten Bedingungen zustande gekommen. Während der neuen Amtsperiode des Diözesanrats werden sie ihre Brauchbarkeit in der Praxis unter Beweis stellen müssen. Der Diözesanrat muss ein eigenes Konzept entwickeln, wie er die neu geformten Gremien begleiten und die Erfahrungen mit den neuen Regelwerken auswerten will.

Das vollständige Positionspapier des Initiativkreises Bistumsreform Augsburg „Erwartungen an den Diözesanrat“ finden Sie hier.